Beratung zu Hartz IV in Bürgerbüros
Interview
OTZ sprach beim Sommerfest in Burgk mit Mike Mohring,
Generalsekretär der CDU Thüringen Die CDU hat jedermann
zu ihrem Sommerfest eingeladen. Warum gibt´s hier keine
Möglichkeit, sich über Hartz IV zu informieren?
Mike Mohring: Wir sind dabei, unsere 76 Bürgerbüros
in Thüringen als Anlaufstelle für Fragen zu Hartz IV
vorzubereiten. Dazu werden jetzt alle unsere Mitarbeiter speziell
geschult um fit zu sein, bei allen Fragen zu den Arbeitsmarktreformen
und dem Antragsvolumen helfen zu können.
Wie sehen diese Schulungen aus?
Mike Mohring: Anfang September biete ich Seminare für alle
hauptamtlichen Mitarbeiter der Abgeordneten und die Kreisgeschäftsführer
an. Sie sollen alle so gründlich ausgestattet werden, den
Leuten blind helfen zu können. Nach dem zweitägigen Seminar
werden die Mitarbeiter dazu in der Lage sein.
Diesen Beratungsservice bietet ja die PDS bereits an...
Mike Mohring: Es reicht nicht aus, nur den Service anzubieten,
im Detail aber gar nicht Bescheid zu wissen. Daher gibt es bei
uns die Seminare, um die Mitarbeiter mit den nötigen Kenntnissen
auszustatten.
Wie bewerten Sie persönlich die Proteste in Thüringen
zu Hartz IV?
Mike Mohring: Ich kann die Menschen verstehen, die protestieren.
Es gibt einen gravierenden Denkfehler bei den Leuten in Berlin,
die entschieden haben. Wir haben in den neuen Bundesländern
viel mehr Empfänger von Arbeitslosenhilfe, als in Westdeutschland.
Da gibt´s einen großen Unterschied, denn alle Sozialhilfeempfänger
werden durch Hartz IV tatsächlich besser gestellt. Mindestens
in der Größenordnung, dass sie künftig Rentenbeitragsanteile
bezahlt bekommen und dadurch Rentenansprüche erwerben. Aber
wir haben in den neuen Ländern mehr Frauen und Männer,
die im Arbeitsleben standen - die Quote ist sechs Mal höher
als im Westen - und daher nach dem Arbeitslosengeld Bezieher von
Arbeitslosenhilfe sind. Und die bekommen dann künftig nominell
weniger Geld.
Sie üben aber auch Kritik an den Regelungen zur Möglichkeit
des Zuverdienstes.
Mike Mohring: Wer von sich aus nach Möglichkeiten sucht,
etwas hinzu zu verdienen um die Familie zu ernähren, dem soll
ab Januar ein Großteil genommen werden. Diese Arbeitslosen
sollen nämlich nur noch 15 Prozent des Zuverdienstes von bis
zu 400 Euro behalten dürfen - das ist fast nichts. Der Rest
wird angerechnet auf das Arbeitslosengeld II. Also auch, wer vielleicht
nur 160 Euro hinzu verdient, bekommt lediglich 15 Prozent anrechnungsfrei.
Würde der Nebenverdienst durch einen von der Arbeitsagentur
vermittelten Job erzielt, bliebe aber mehr?
Mike Mohring: Aber nur bei der Vermittlung in die so genannten
Ein-Euro-Jobs. Ich sage, besser ist es Selbstständigkeit zu
fordern als die staatlich verordnete Gemeinnützigkeit zu fördern.
Es ist doch verrückt, dass die staatlich vermittelten Arbeitslosen
besser gestellt werden als jene, die sich selbst um eine Arbeit
bemühen. Hier muss zumindest eine Gleichstellung erfolgen.
Rot-Grün hat mit der Union die Arbeitsmarktreform
beschlossen. Was ist aus Ihrer Sicht verkehrt gelaufen, dass
ein Sturm der Entrüstung im Volk jetzt die Folge ist?
Mike Mohring: Keiner hat die Menschen aufgeklärt. Die allerersten
Meldungen, die zu Hartz IV kamen, hießen, es gäbe nur
noch 331 Euro im Osten. Völlig berechtigt kam da die Frage,
wie das Leben noch finanziert werden soll. Erst jetzt kommt Stück
für Stück raus, dass zumindest die Existenz gesichert
werden kann. Also dass beispielsweise neben den 331 Euro auch angemessener
Wohnraum bezahlt wird - und das nicht mehr nur als Wohngeldzuschuss,
sondern komplett zuzüglich der anfallenden Heizkosten. Für
die Kinder gibt es Kindergeld, Zuschüsse werden auch für
Ehepartner gewährt, die selbst nicht erwerbsfähig sind.
Mangelnde Information der Bürger wird kritisiert.
Wäre es da nicht an der Zeit, dass auch die CDU noch offensiver
in die Öffentlichkeit tritt und für Hartz IV wirbt?
Mike Mohring: Richtig, da gab es auch große Diskussionen
innerhalb der Union und zu langes Zögern. Hartz IV bietet
langfristig die bessere Perspektive. Die kommunalen Haushalte werden
entlastet und durch die Zusammenlegung von Arbeitslosenhilfe und
Sozialhilfe wird Bürokratie abgebaut. Aber nach dem Gesetz
werden, wie gesagt, die Menschen im Osten zu stark benachteiligt,
hier muss das Gesetz geändert werden. Dazu gibt es jetzt die
Treffen der Ländervertreter mit der Bundesregierung, das am
Freitag erstmals stattfand. Hier ist von uns Wirtschaftsminister
Jürgen Reinholz vertreten . . .
...der von einem "Alibitreffen" sprach, an
dem er sich nicht mehr beteiligen wolle.
Mike Mohring: Reinholz hatte eine ganze Liste an Aufträgen
bekommen, wo wir die Befürchtungen der Bürger zu Hartz
IV aufgeführt haben. Doch was war passiert? Clement und andere
hatten einfach nur berichtet, wie derzeit das Gesetz umgesetzt
wird. Aber die Gruppe wurde nicht einberufen, damit dort der Bundeswirtschaftsminister
Bericht erstattet, sondern dass Fehler aufgearbeitet und ausgebessert
werden, ohne das gesamte Gesetz zu verändern. Aber das wollen
die in Berlin zurzeit nicht. Hier zeigt sich die Ignoranz gegenüber
den Sorgen im Osten.
In welcher Form wird die CDU Thüringens noch an der
Umsetzung von Hartz IV mitwirken?
Mike Mohring: Dort, wo die Ein- und Zwei-Euro-Jobs angeboten werden,
wollen wir solche Projekte entwickeln, aus denen das Land auch
Vorteile erzielt. Beispielsweise bei den Gewässern zweiter
Ordnung. Da ist lange Zeit nichts passiert, weil weder das Land,
noch die Kommunen Geld haben, diese Gewässer in Ordnung zu
bringen. Vom Bund gilt es so viel wie nur möglich Geld heranzuholen,
um in Thüringen noch Dinge anzugehen, die man sich sonst nicht
leisten könnte. Wenn die Menschen sehen, dass sie nicht sinnlose
Jobs bekommen, sondern positive Auswirkungen ihrer Arbeit spüren,
dann sind wir auf einem guten Weg.
Interview: Peter Hagen
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