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Skeptische Wähler
Stefan schaut ihr in die Augen, antwortet leise und klar: "Ja,
aber die Union will auch die Steuern senken." Die Mutter solle
dann selbst entscheiden, was sie mit ihrem Geld macht. "Mehr
Eigenverantwortung", darum gehe es. Die Mutter darauf: "Ich
glaube nicht, dass unterm Strich mehr in der Tasche bleibt." Auch
ein älterer Herr in lila Socken und Sandalen mag das nicht
glauben. Stefan redet eine halbe Stunde lang auf ihn ein, spricht
von Ehrlichkeit, Autoindustrie, dem Schuldenhaushalt und wieder:
Eigenverantwortung.
Die Aktivisten dieser Generation Orange beten nicht stumpf ein
Parteiprogramm herunter - sie haben die wirtschaftsliberale Ideologie
verinnerlicht. Sie sagen, dass der Staat zu stark sei und die Verantwortung
des Einzelnen zu schwach. Viele liebäugelten einst mit der
FDP. Doch dort vermissten sie die Wärme in Form von Tradition
und christlicher Werte.
Endlich betritt "der MP" die Saalfelder Bühne. So
nennt die JU ihren Ministerpräsidenten Dieter Althaus. In
ihrer Sprache ist Merkel die "Angie", den CSU-Chef nennt
man dagegen trocken "Stoiber".
Knapp 30 Aktivisten eines Bündnisses gegen Soziallabbau
trillern, schimpfen, rufen "Heuchler". Stefan stellt
sich mit 15 Leuten zwischen Bühne und Bündnis, hält
ein Plakat hoch. Als ein betrunkener Unbeteiligter einen Merkel-Fan
bespuckt, droht die Lage zu eskalieren. Bei anderen CDU-Auftritten
flogen schon Fäuste, wie es heißt.
Während die Thüringer JU spät abends feiert, dass
sie Saalfeld "überlebt" und Erfurt "gemeistert" hat,
spaziert Thüringens "MP" über den Erfurter
Anger und sagt: "War ja ganz gut heute." Ob er Merkel
meint, oder eher ihr Team, sagt er nicht.
Aus der FTD vom 30.08.2005
© 2005 Financial Times Deutschland
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