Thüringen ist ein Schafland
Landwirtschaftsminister Dr. Volker Sklenar auf dem Schafhof in Schönborn
Von OTZ-Redakteur Marius Koity Schönborn. "Ich habe wieder etwas gelernt", sagte gestern Dr. Volker Sklenar. Dem thüringischen Minister für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt hatte anderthalb Stunden lang der Schafhof der Baumann GmbH in Schönborn als Bildungsstätte gedient. Dort wurde er nicht nur von Geschäftsführer Josef Baumann und Betriebsleiterin Gabriele Gründel mit den Spezialitäten des Hauses nicht zuletzt kulinarisch vertraut gemacht, auch der Triptiser Bürgermeister Berthold Steffen wartete an seiner alten langjährigen Wirkungsstätte mit Hintergründen auf. Den Besuch hatte der CDU-Landtagsabgeordnete Gottfried Schugens organisiert. Sein Anliegen war es, das Bewusstsein dafür zu schärfen, dass die landwirtschaftliche Produktion "die wichtigste Säule im ländlichen Raum" sei und daher unterstützt werden müsse.
Der Schafhof Schönborn sei einer der größten thüringischen Betriebe seiner Branche. Er setze die Tradition der Schafhaltung der einstigen LPG (P) Triptis fort, die bis 1990 die größte Abteilung dieser Art in Ostthüringen unterhalten habe, gab Steffen zu verstehen, der sie vor seinem Wechsel ins Triptiser Rathaus leitete. Der Baumann GmbH, die den Schafhof 1993 übernahm, stellte Steffen ein exzellentes Zeugnis aus: Der aus der Mannheimer Gegend stammende Geschäftsführer habe "nicht nur etwas erworben, um es auszuschlachten, sondern um es zu entwickeln". Bestimmt in siebenstelliger Höhe habe er bislang investiert, gab Baumann zu verstehen, am Ende sei er noch nicht. "Thüringen ist ein Schafland", begründete Baumann seine Entscheidung für Schönborn. Die Qualität der aus Thüringen stammenden Schafe werde sehr geschätzt. Die Schafhaltung ist im Freistaat trotzdem ein schrumpfender Zweig.
Der Schafhof Schönborn zählt etwa 600 Mutterschafe. Die Baumann GmbH mästet die Tiere und handelt mit ihnen. Pro Jahr, hieß es, werden um die 100 000 Lämmer und Schafe vermarktet. Diese werden in einer anderen Baumann GmbH im hessischen Viernheim geschlachtet oder direkt exportiert. Die Wolle ist eine weitere Säule des Betriebes, etwa 300 Tonnen werden pro Jahr verkauft. Fünfzehn Mitarbeiter beschäftigt der Schafhof, darunter auch EU-Ausländer.
So gehörte die Frage des mangelnden Nachwuchses für die Landwirtschaft zu den Problemen, die Baumann und Gründel ansprachen. Die zunehmende Bürokratie und die unattraktiv gewordene Landschaftspflege mit Schafen brachten sie ebenfalls an. Als zunehmendes Problem mit ernsthaften wirtschaftlichen Nachteilen für die Schafzucht wurde die Vermehrung der Lämmer reißenden Kolkraben dargestellt. Das Thema werde "massiv verharmlost", so Baumann. Sklenar stellte eine wissenschaftliche Beobachtung des Phänomens in den Raum. |