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Schulen sollen schön sein wie Sparkassenzentrale

Bildungsministerin Schavan in Pößneck

Es gibt Zitate, die im Gedächtnis hängen bleiben und bei passender Gelegenheit immer wieder aufgegriffen werden. Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) hat am Mittwochabend in der Euroschule Pößneck ein solches geliefert: "Eine Schule sollte genauso schön sein wie die Zentrale der Kreissparkasse." Während der CDU-Landtagsabgeordnete Gottfried Schugens als Wahlkämpfer und Gastgeber der Gesprächsrunde mit rund 50 Gästen davon überzeugt war, dass dank des Konjunkturpaketes der Bundesregierung ein Quantensprung bei der Sanierung der Schulen im Landkreis gelingen werde, gab es auch kritische Stimmen. "Wenn die Sparkasse so aussehen würde wie unser Schulgebäude, dann hätte sie wohl keine Kunden mehr", entgegnete Frank Mylius. Der Leiter des Schulteils Pößnecks des Staatlichen Berufsbil- dungszentrums Saale-Orla beklagte den "morbiden Charme" des Gebäudes in der Wohlfarthstraße. Er vermutete, dass den Schulteilen Schleiz und Pößneck die frühzeitige Fusion im Jahre 1994 zum Bildungszentrum auf die Füße gefallen sei. Obwohl Pößneck ein überregionales Zentrum der Berufsausbildung mit Schwerpunkt Mediengestaltung ist, sei es über Jahre hinweg nicht gelungen, ein Gebäude auf dem Viehmarkt - in unmittelbarer Nachbarschaft zum Lehrlingswohnheim - zu einem neuen, modernen Schulstandort auszubauen. Mylius zeigte sich erfreut, dass Ministerpräsident Dieter Althaus bei einem Wahlkampfbesuch vor zwei Wochen auf die eher beiläufige Frage eines Berufsschülers zur Verblüffung der Anwesenden geantwortet hatte, dass 1,5 Millionen Euro für die neue Berufsschule zur Verfügung stünden (OTZ berichtete).

"Sie haben viel von Bildung gesprochen, aber nichts über Erziehung gesagt", äußerte Jürgen Rosenberger vom Kreissportbund zu Annette Schavan, der in ihrer Rede auch Aussagen zur Bildungschancengleichheit von Kindern aus armen Familien vermisste. Die Bildungsministerin sprach sich u.a. für den Ausbau von Ganztagsangeboten aus, weil diese zu mehr Chancengleichheit beitragen würden. Manche Kinder bräuchten aber auch Bildungspaten, wenn sich ihre Eltern nicht um sie kümmern. "Erzogene Kinder sind die Voraussetzung für eine erfolgreiche Bildung. Erfolgreich werden sie, weil sie an sich gearbeitet haben", meinte Schavan. Die Bundesministerin empfahl Lehrern und Eltern, sich zu verbünden und nicht gegeneinander zu arbeiten. Wenn Kinder die Erfahrung machen, dass die Erwachsenenwelt konsequent ist, dann laufe es in der Schule besser.

Schavan forderte eine höhere Wertschätzung der Pädagogen-Arbeit. Das war für Marion Platzer, Leiterin der Freien Awo-Ganztagsschule in Neustadt, ein willkommenes Stichwort. Sie empfand es als ungerecht, dass ihre vier Studienjahre bei der Kontenklärung für ihre künftige Altersrente nicht angerechnet würden, anders als bei der betrieblichen Ausbildung. Das sah der Triptiser Unternehmer Helmut Fliegl anders: "Wir verlangen zu viel vom Staat." Schavan, die im Urlaub die Biografie des US-Präsidenten Barack Obama mit der Aussage gelesen hatte, seine schwarzen Landsleute würden zu viel jammern, schloss sich ihrem Vorredner an. "Hören wir auf zu jammern! Der Staat, der das bezahlt, sind wir", meinte die Ministerin. Diesen Slogan kennt Schugens in abgewandelter Form noch aus der DDR. Er fügte hinzu, dass stärkere Forderungen an den Staat zu Lasten künftiger Generationen gehen würden.

Pößneck, 19.08.2009
Ostthüringer Zeitung, Lokalausgabe Pößneck


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