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Vom Zeitpunkt des Rücktritts überrascht

Gespräch mit MdL Siegfried Wetzel

Herr Wetzel, Sie haben am Sonntag mit Gottfried Schugens ihren Landtagskollegen im Saale-Orla-Kreis verloren und nun auch noch mit Dieter Althaus Ihren Ministerpräsidenten und Parteivorsitzenden. Was kann jetzt noch Schlimmeres passieren?

Es kann nichts Schlimmeres passieren und wird alles gerichtet werden. Einen Mitstreiter zu verlieren, ist zwar unheimlich traurig, aber es muss weiter gehen.

War der Althaus-Rücktritt aus Ihrer Sicht zu erwarten gewesen?

Damit hatte ich jetzt nicht gerechnet. Wenn es in Koalitionsgesprächen dringend nötig gewesen wäre, hätte diese Frage sicherlich im Raum gestanden. Jetzt kam es für mich überraschend und hat mich geärgert.

Es wird nun in Thüringen auf die große Koalition von CDU und SPD hinauslaufen?

Ich hoffe doch stark, dass sich die demokratischen Kräfte finden.

Welche Ministerien wird die CDU behalten?

Das zu besprechen, obliegt mir nicht. Das wird beraten, wenn man einen Koalitionspartner gefunden hat.

Wenn die SPD mit der CDU koaliert, wäre das aus Ihrer Sicht Verrat an linken Wählern?

SPD-Wähler haben nicht links, sondern die Sozialdemokratie gewählt. Wer links wählen will, der kann Die Linke wählen.

Das System Althaus ist gestürzt, also gibt es für Matschie keinen Grund mehr, nicht mit der CDU zu paktieren?

Ich sehe eine große Koalition nicht als paktieren an. Wenn ein Wahlkampf auf drei Männer zugeschnitten wird, dann wird das bis zum Ende so durchgezogen. Für Matschie gibt es jetzt keinen Hinderungsgrund einer Koalition mit der CDU.

Wenn das Personengemetzel vorbei ist und es nun an die Sachthemen geht, wird die CDU sich den Zielen der SPD-Bildungspolitik anschließen?

Bei Koalitionsverhandlungen findet man sich oder auch nicht. Hat man sich gefunden, spricht man die Themen an und beginnt natürlich nicht mit den schwierigsten Problemen, sondern sucht zunächst nach dem gemeinsamen Nenner. Bei den Themen Bildung und Kreisgebietsreform beispielsweise könnte ich mir vorstellen, diese auf die Agenda zu setzen, die nicht angefasst wird. Aber es obliegt mir nicht, über Koalitionsverhandlungen nachzudenken. Ich bin nicht Ministerpräsident und auch nicht Oppositionsführer.

Wer wird neuer Ministerpräsident beziehungsweise -präsidentin?

Da hat die CDU nun einige Möglichkeiten. Wenn man jetzt schon Namen in die Runde wirft, wäre das nicht gut.

Interview: Peter Hagen

Schleiz, 03.09.2009
Ostthüringer Zeitung, Lokalausgabe Schleiz


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