Dementsprechend bezogen sich die meisten Fragen auf Lohnverhältnisse, Arbeitslosigkeit und Bildungspolitik.
Warum geht es Hartz IV- Empfängern besser als Arbeitern? So lautete die erste Frage an die Kandidaten. Anette Feike ergriff zuerst das Wort: "Die SPD setzt sich für einen gesetzlichen Mindestlohn mit der Markierungsmarke von 7,50 Euro ein. Damit können wir verhindern, dass die Leute trotz Arbeit ihre Familien nicht ernähren können." Norbert Schneider setzte noch eins drauf: "Wir wollen mindestens 8,50 Euro flächendeckenden Mindestlohn durchsetzen." Carola Stauche sprach sich gegen einen einheitlichen Mindestlohn aus. In den verschiedenen Branchen müsse die Markierungsmarke für den Mindestlohn unterschiedlich gesetzt werden. Die FDP distanzierte sich komplett vom Konzept des Mindestlohnes. "Wir wollen ein Bürgergeld einführen, das alle Sozialleistungen aus Steuergeldern bündelt. Das ist ein Mindesteinkommen, anstelle eines Mindestlohnes", erklärt Volker Weber. Die Steuern müsse man senken, Arbeit solle sich wieder lohnen. "Mehr Netto vom Brutto - dafür stehen wir."
Ein aufgebrachtes Stimmengewirr und arge Meinungsverschiedenheiten begannen bei der Frage "Ist Die Linke der Nachfolger der SED und deshalb genauso radikal wie die NPD?" Norbert Schneider, Kandidat der Linken, verneinte dies sichtlich erregt und erklärte: "Wir verteidigen das Grundgesetz." Stauche von der CDU dagegen äußerte, dass sie die Frage des Schülers sehr wohl nachvollziehen könne. "Die Linke ist genau genommen eine Nachfolgepartei der SED. Sie wollen eine andere Staatsform und alles dem Staat zuführen." Außerdem sei es endlich einmal an der Zeit, sich bei den Opfern der damaligen Regierung zu entschuldigen.
Mitten in der Diskussion musste das Forum aus zeitlichen Gründen abgebrochen werden. Doch es waren bei weitem noch nicht alle Fragen beantwortet und alle Probleme angesprochen.
Melanie Gräber, 23, aus Bad Lobenstein macht eine Ausbildung zur Bürokauffrau und interessiert sich sehr für politische Belange. "Dieses Forum hat sicher einigen geholfen, am Sonntag die richtige Wahl zu treffen", meinte sie am Schluss.
Das Forum war der Höhepunkt des Projektes "Parteiencheck". Geleitet wurde es von Heike Meinhardt, Berufsschullehrerin, und der Jugendarbeiterin Yvonne Scheunemann vom Regio-Team der Volkssolidarität. Im Sozialkundeunterricht soll die 45-minütige Diskussion demnächst ausgewertet werden. |