Von 6 auf 0: SPD verliert alle Direktmandate
Debakel für Iris Gleicke, sie bleibt aber im Bundestag. Linke gewinnt Südthüringer Wahlkreis
Nervenzermürbende Kopf-an-Kopf-Rennen, ein
glücklicher linker Sieger, ein dickes Plus für die CDU und ein Debakel der Sozialdemokraten: Der Wahlabend in den Südthüringer Wahlkreisen hatte es in sich.
Das eindeutigste und zugleich überraschendste Ergebnis gab es im Wahlkreis 190 (Eisenach/Wartburgkreis). Dort ließ CDU-Kandidat Christian Hirte mit knapp 35 Prozent die Konkurrenz weit hinter sich. Damit übertraf der 33-jährige Rechtsanwalt, der erst vor einem Jahr in den Bundestag nachgerückt war, den landesweiten Zuwachs seiner Partei. Die Wähler honorierten wohl auch den umtriebigen Fleiß, mit dem er im Wahlkreis aufgefallen war. Bitter enttäuscht zeigte sich der bisherige Wahlkreisabgeordnete Ernst Kranz (SPD), der mit fast 13 Prozentpunkten Verlust auf Platz 3 landete.
Mit dem gleichen Platz musste sich auch Iris Gleicke zufrieden geben. Die Schleusingerin, seit 1990 für die SPD im Bundestag, sackte im Wahlkreis 197 (Suhl/Schmalkalden-Meiningen-Hildburghausen) um rund zehn Punkte auf 21,0 Prozent der Erststimmen ab und verlor mehr als ein Drittel ihrer Wähler. Besonders bitter für Gleicke: Selbst im Heimatlandkreis Hildburghausen kam sie nicht über 22 Prozent, und ihr Minus bei den Erststimmen ist nur geringfügig geringer als im Thüringer SPD-Trend. Offenbar hat ihre Wahlkreis-Arbeit der vergangenen Jahre nicht viele Wähler mobilisiert.
Dies gilt auch für Petra Heß, die dritte SPD-Leidensgenossin. Sie verlor ihr Direktmandat im Wahlkreis 192 (Gotha/Ilmkreis) an Tankred Schipanski (CDU). Der 35-jährige Sohn der Ex-Landtagspräsidentin setzte sich vergleichsweise knapp gegen Heß und die Linke-Kandidatin Cornelia Hirsch durch.
Ihren Sitz im Bundestag wird die Wahlverliererin Gleicke aber dennoch behalten. Weil die SPD kein einziges ihrer sechs Thüringer Direktmandate von 2005 verteidigen konnte, kommen nun die vorderen Plätze der SPD-Landesliste zum Zuge. Gleicke steht dort auf dem sicheren zweiten Platz. Ob es für Heß (Platz 4) reicht, war bei Redaktionsschluss noch offen. Kranz ist mit Landeslistenplatz 5 wohl aussichtslos.
Der strahlende Wahlsieger in Südthüringen wiederum ist ein Neuling in der Region. Jens Petermann gewann den 197er Wahlkreis, für den ein knapper Ausgang vorhergesagt war, dann doch recht deutlich mit 32,2 Prozent (1800 Stimmen Vorsprung). Der Gothaer Sozialrichter mit Wohnsitz in Arnstadt war hier vor dem Wahlkampf ein unbeschriebenes Blatt, hatte aber in der Region besser punkten können als CDU-Kandidat Alexander Kästner, der mit 30,8 Prozent auf Platz 2 landete. Der Wasunger Rechtsanwalt war zuvor außerhalb seiner Heimatstadt ebenfalls unbekannt. Nun ist Kästner der einzige Thüringer CDU-Direktkandidat, der trotz des Wahlsiegs der Union nicht im Bundestag sitzen wird. Sein Parteifreund und Ex-Staatssekretär Roland Richwien verlor zwar auch in seinem Jenaer Wahlkreis, er zieht aber anders als Kästner über die CDU-Landesliste ins Parlament ein.
Nervenkitzel bis zur letzten Minute herrschte im Wahlkreis 196, zu dem auch der Kreis Sonneberg gehört. Dort lag CDU-Kandidatin Carola Stauche am Ende nur knapp 900 Stimmen vor Norbert Schneider (Linke).
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