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Stefan Gruhner setzt auf Modernisierung der CDU

OTZ-Gespräch mit neuem Kreisvorsitzenden

Stefan Gruhner aus Schleiz wurde am Sonnabend in Plothen zum neuen CDU-Kreisvorsitzenden gewählt. OTZ sprach mit ihm über seine Entwicklung und Vorstellungen von künftiger CDU-Politik.

Herr Gruhner, was hat Sie seinerzeit mit 15 Jahren bewogen, sich bei der CDU zu engagieren?

Stefan Gruhner: Ich war damals Schülersprecher des Gymnasiums in Schleiz und wurde dann auch Landesschülersprecher. Da hat man viel mit Politikern zu tun und damit wuchs auch mein politisches Interesse. Ehrlicherweise muss ich sagen, dass ich damals die Grünen ganz sympathisch fand. Aber die haben ja hier politisch keine Rolle gespielt. Ich habe mir dann nach der Bundestagswahl 1998 mal die Parteiprogramme der CDU, der SPD, der FDP und der Grünen angesehen. Die Linkspartei kam wirklich nicht infrage. Dann bin ich in die beiden Parteibüros gegangen, die es in Schleiz gab, um die Leute kennenzulernen. Bei der SPD war man unheimlich beschäftigt und hatte keine Zeit für mich, Siegfried Wetzel bei der CDU hatte Zeit. Zufällig war man dort gerade mit der Gründung der Jungen Union im Landkreis beschäftigt und da kam ich sozusagen gerade richtig. So war das.

Was begeistert Sie denn so an der CDU?

Stefan Gruhner: In der CDU hat man eine realistische Chance, Politik mitgestalten zu können, weil sie die mit Abstand stärkste politische Kraft ist. Wir sind außerdem die einzige Partei, die noch in der Mitte der Gesellschaft steht. Die SPD driftet immer weiter nach links und wird zerrieben, die FDP macht nur noch Apothekerpolitik. Wir sind die einzige Volkspartei, die Mitglieder wirklich aus allen Teilen der Gesellschaft und aus allen Altersgruppen hat. Wir haben ein Netzwerk, das funktioniert. Die SPD ist zum Beispiel im Landkreis eine reine One-Men-Show.

Wie soll sich unter Ihrem Vorsitz die Arbeit der CDU im Landkreis verändern?

Stefan Gruhner: Ich setze inhaltlich auf Kontinuität. Ich habe ja auch in den vergangenen Jahren die Positionen der CDU inhaltlich mitgetragen. Ändern will ich aber den politischen Stil. Ich will, dass wir uns als Partei weiter öffnen und ein modernes Gesicht bekommen. Innerparteilich setze ich mich für eine Kultur ein, die darin besteht, nicht alles von oben herab zu dirigieren. Wir müssen mehr Entscheidungen der Basis zur Abstimmung geben, die Mitglieder müssen sich wirklich ernst genommen fühlen. Die CDU hat ja leider den Ruf, mit alten Leuten in einem verrauchten Hinterzimmer zu sitzen. Das finden junge Leute nicht besonders attraktiv...

Wie wollen Sie denn so ein Image aufbrechen?

Stefan Gruhner: Ich stelle mir zum Beispiel thematische Fachausschüsse vor, in die wir sachkundige Bürger einladen, z.B. Schulleiter in Bildungsfragen. Ich stelle mir auch eine Art Zukunftskommission "Saale-Orla 2020" vor, in die wir unabhängig vom Tagesgeschehen Sachverstand von außen holen, Verantwortliche aus verschiedenen Bereichen, Unternehmer, Bauernverband, Volkssolidarität usw.

Welche Schwerpunkte setzen Sie politisch?

Stefan Gruhner: Erstens muss das inhaltliche Profil der Christdemokraten geschärft und das Programm weiterentwickelt werden. Dazu werden wir Sachverstand unabhängig von der Parteizugehörigkeit einladen. Zweitens müssen wir die Parteiarbeit reformieren, Mitglieder gewinnen und sie in die Gestaltung der Politik einbeziehen. Auch muss die Kommunikation innerhalb der Partei verbessert werden. Drittens werden wir klare Kante dem politischen Gegner zeigen. Wir dürfen nicht zulassen, dass die ewig Gestrigen wieder Zukunft gestalten wollen.

Interview: Uli Drescher

Schleiz, 30.11.2009
Ostthüringer Zeitung, Lokalausgabe Schleiz


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