Thomas Fügmann zog für das abgelaufene Jahr eine recht durchwachsene Bilanz. Er räumte ein, dass die Christdemokraten ihre Ziele "nicht ganz erreicht haben", jedoch sei man "kleiner, aber stärker geworden" hinsichtlich der Kompetenz, die in den Kreistag gewählt wurde. Unbegreiflich bleibt offensichtlich für die CDU, dass der Landtagswahlkreis von Gottfried Schugens im Orlatal an die Linken verloren ging. Man tröstet sich damit, dass Carola Stauche aus Rohrbach mit einem sehr engagierten Wahlkampf dafür nach vielen Jahren wieder ein Bundestagsmandat für die Region geholt hat. Auch die Wahl von Jürgen Hauck als 1. Beigeordneter des Landrates und - etwas überraschend - die Wahl von Beate Ranke als ehrenamtliche Beigeordnete stehen bei Fügmann auf der Habenseite.
Der Fraktionsvorsitzende ließ keinen Zweifel daran, dass die CDU im Landkreis mitgestalten wolle. "In der Opposition kann man zwar schön meckern, aber nichts gestalten", stellte er fest. Das Gesprächsangebot der SPD habe man deshalb angenommen, allerdings "nicht um jeden Preis". Bis zur Kreistagssitzung im Februar sieht Fügmann den Koalitionsvertrag mit den Sozialdemokraten unter Dach und Fach.
CDU-Kreisvorsitzender Stefan Gruhner machte sein Resümee an den historischen Fakten fest - 20 Jahre friedliche Revolution 2009 und 20 Jahre deutsche Einheit 2010. Gruhner erinnerte an die Wirtschaftskrise, die seiner Meinung nach auch 2010 weiter ein Thema im Saale-Orla-Kreis bleibe. "Die Wirtschaftskrise ist aber kein Scheitern der sozialen Marktwirtschaft, sondern das Ergebnis der Gier Einzelner". Eine "sozialistische Planwirtschaft" sei dafür keine Alternative. Aus dem Superwahljahr 2009 sei man "mit einem blauen Auge davongekommen". Eine Alleinregierung der CDU in Thüringen wäre ihm allerdings lieber gewesen, so der CDU-Kreisvorsitzende. Von den Sozialdemokraten in Erfurt erwarte er "mehr Maßhalten" bei den finanziellen Forderungen angesichts der Verschuldung des Landes.
In der in Aussicht stehenden Koalition zwischen CDU und SPD im Kreistag soll nach Gruhners Worten "die CDU der Motor im Landkreis sein." Sinnbildlich verglich er die Koalition "mit einem roten Füller, der mit schwarzer Tinte schreibt". Die Linkspartei sollte man aus der Verantwortung heraushalten, meinte Gruhner. Für die Wahl der ehrenamtlichen Bürgermeister in diesem Jahr gab der Kreisvorsitzende das Ziel aus, Christdemokraten hier in die Verantwortung zu bringen. Außerdem wolle man ganz im Sinne einer Volkspartei "viele Menschen außerhalb der CDU in die politische Arbeit einbeziehen".
Bevor die Parteifreunde aus dem Rheingau-Taunus-Kreis an die Zeiten gemeinsamen Wirkens in der Wendezeit erinnerten nutzte Ehrenvorsitzender Siegfried Wetzel die Gelegenheit, seinen Vorrednern zuzustimmen und der SPD auf Landesebene ins Stammbuch zu schreiben, dass sie "jetzt das Regieren lernen muss". Auch sei es Zeit, so Wetzel, den Saale-Orla-Kreis politisch neu zu gestalten. |